Von J. Schumacher – Redakteur beim Medienmagazin Pro
1. Zu wenig recherchieren. Es ist so bequem, sich auf eine Quelle zu konzentrieren, sich nur an einer einzigen Pressemitteilung abzuarbeiten oder nur eine Webseite zu lesen. Man stellt ein paar Sätze um, fügt einen Link hinzu und meint, damit seine Pflicht erfüllt zu haben. Dabei ist es enorm wichtig, über den Tellerrand hinaus zu sehen und sich Zeit zu nehmen für die Recherche. So stößt man vielleicht nicht nur auf ganz neue, interessante Aspekte einer Meldung, sondern oftmals auch auf eine ganz andere Sicht, die der ursprünglichen Meldung in manchen Punkten widerspricht. Oder aber man findet sogar heraus, dass die erste Meldung kompletter Murks ist und da nur jemand ein Märchen im Netz verbreiten wollte.
2. Die eigene Meinung durchscheinen lassen. Es gilt eine journalistische Grundregel: Entweder man schreibt einen Kommentar und äußert darin deutlich erkennbar seine Meinung, ODER man schreibt einen neutralen Artikel über ein Thema. Jeder, der schon journalistisch gearbeitet hat oder viel Zeitungsartikel liest, weiß, wie schwierig es für einen Autor ist, seine eigene Meinung komplett außen vor zu lassen. Dennoch sollte der Leser niemals das Gefühl haben, hier gerade eine Meinung anstatt Informationen vorgesetzt zu bekommen. Denn aufmerksame Leser merken das sehr schnell, fühlen sich manipuliert und wenden sich ab. Es gibt sicherlich, gerade im Internet und in Weblogs, Mischformen, in denen sowohl informiert als auch eine Meinung ausgedrückt wird. Dennoch sollte jedem Online-Journalisten stets klar sein, dass es diesen Unterschied gibt und welcher Form er sich gerade bedient.
3. Zu lange Sätze. Für Online-Journalismus gilt noch mehr, was für den Print-Journalismus gilt: Schreib möglichst kurze Sätze. In der Schule und an der Uni kommt es bei vielen Lehrern und Dozenten gut an, wenn man Texte mit besonders langen, komplizierten Sätzen garniert. Deswegen haben lange, komplizierte Sätze die Aura von Gelehrtheit. Doch wer gelesen werden will, sollte sich auf einfache Sätze beschränken und von mehrfachen Verschachtelungen in einem Satz Abschied nehmen.
4. Zu wenig neugierig sein. Ein Journalist ist ein neugieriger Mensch. Dieses Klischee stimmt wirklich, oder sollte zumindest stimmen. Je mehr ein Journalist recherchiert, desto mehr Themenfelder lernt er kennen und desto bunter können seine Texte werden. Deswegen ist es wichtig, sich auch mit neuen Kommunikationstechnologien zu beschäftigen, abzuhorchen, über welche neuen Dienste die User sich unterhalten, sich neue Strömungen und Moden im Internet anzusehen. Geeignet sind dafür etwa RSS-Feeds oder Twitter, aber auch wer Computerzeitschriften regelmäßig durchblättert, bekommt mit, was derzeit im Netz angesagt ist, oder was demnächst auf die Medienwelt zukommt.
5. Zu viele Rechtschreibfehler und zu kleiner Wortschatz. Dieser Punkt ist trivial, aber deswegen nicht weniger wichtig. Wer die Rechtschreibung nicht gut beherrscht, sollte seine Texte vor dem Veröffentlichen von jemandem Korrektur lesen lassen, der sie besser beherrscht. Viele Leser mögen eventuell nicht (mehr) viel Wert auf Komma-Regeln oder die Großschreibung legen. Aber wer keine oder nur wenig Großbuchstaben benutzt, in jedem zweiten Satz einen Grammatikfehler oder einen Vertipper hat, macht nicht gerade den Eindruck, seriös zu arbeiten. Gute Journalisten macht ein großer Wortschatz aus. Der entsteht am besten durch viel Lesen, kann aber schwer “antrainiert” werden. Deswegen kann man sich behelfen durch den Duden, den gibt’s sogar für den Computer, und man hat oft in wenigen Sekunden ein schöneres, passenderes Wort gefunden.

Gut zusammengefasst, Jörn!
Fühle mich ertappt (Punkt 3). Das haben meine Deutschlehrer schon gerügt. Seitdem arbeite ich dran. Aber immerhin: Wenigstens bekomme ich meine Schachtelsätze normalerweise am Ende noch zugebunden. So richtig schlimm wird die Neigung zu Bandwurmsätzen ja erst, wenn man die Übersicht verliert und sich in der eigenen Syntax verläuft, am Ende des Satzes nicht mehr wissend, wie man ihn irgendwann früher einmal angefangen hat. Und hat Paulos das mit den Endlossätzen nicht ohnehin so vorgemacht?