Von Bluthilde – Die Geschichte des Bluthilde-Blogs ist eine Erfolgsgeschichte für den Aufbau des Sozialismus im Cyberspace und für die Sache der Werktätigen im Kampf gegen die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen.
Ein halbes Jahr nach Gründung des AutorInnenkollektivs Dr. Hilde Benjamin jagt auf dem Bluthilde-Blog nicht nur ein Besucherrekord den nächsten und stehen bislang in der Verzweiflung und dem Elend des Kapitalismus gefangene InternetpublizistInnen Schlange, um unsere Blogflöte werden zu dürfen, nein, es sind auch handfeste gesamtgesellschaftliche Auswirkungen unserer Aufklärungsarbeit zu spüren: So ist etwa nicht nur auf Grund unserer kritischen Berichterstattung zum Missbrauchsskandal die Beliebtheit der Katholischen Kirche in der Bevölkerung auf dem Tiefpunkt angelangt und der reaktionäre Bischof Mixa durch unsere Fünfte Kolonne aus dem Amt gedrängt worden, nein, der Aberglaube selbst ist in Deutschland in seinen Grundfesten erschüttert.
Mittlerweile casten wir das Missbrauchsopfer, das eines Tages erklären soll, vom Oberhaupt der Katholischen Kirche höchstselbst missbraucht worden zu sein.
Dieser Erfolg ruft natürlich auch die Konterrevolution auf den Plan. So trat tatsächlich ein – im unwissenschaftlichen Weltbild des Christentums wie die revolutionären GenossInnen im Folterknast von Stammheim gefangener – „Internetmissionar“ an uns heran und forderte uns auf, ihm darzulegen, was wir machen würden, wenn wir „Internetmissionare“ wären!
Wir und Internetmissionare? Einen solchen Humor hatte nicht mal der Genosse Stalin an den Tag gelegt. Außerdem ein zweischneidiges Schwert – denn „Mission“ betreiben müssen ja nur die dem Aberglauben Verfallenen. Wir stehen ja als Marxisten-Leninisten fest auf dem Boden des wissenschaftlichen Weltbilds und stehen ja nur im Dienste der – wie die Geschichtsschreibung des dialektischen Materialismus zu berichten weiß – historischen Vorherbestimmung. Wir sind daher ja nur Ausführende historischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Gesetzmäßigkeiten.
Aber wir könnten uns ja mal fiktiv überlegen, was wir – wären wir Reaktionäre, in diesem Falle in Form von Internetmissionaren – machen würden, um deren Sache zu befördern, so wie sich einst der zionistisch-faschistische Kommunistenfresser Hans Weigel überlegt hatte, was er machen würde, wenn er Kommunist wäre.
Wenn wir Internetmissionare wären, würden wir jedenfalls alles tun, um die aufgeklärten, fortschrittlichen Kräfte zu verwirren. Wir würden versuchen, alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zu konterkarikieren, die jahrzehntelange Forschung und mainstream-mediale Aufklärung über das Wesen des christlichen Fundamentalismus dem Normalbürger vermittelt hatten. Wir würden jedes Raster sprengen, in das sie uns mit ihren klugen Erklärungsansätzen zwängen wollten.
Wir würden mehrere Blogs betreiben und Foren aufbauen zu Themen, über die der Normalbürger spricht, idealerweise Zusammenschlüsse bilden, die auf solidem finanziellem Fundament stehen und mehrere einzelne Projekte unter einem Dach vereinigen. Zweifellos würden wir es wichtig finden, wenn wir Internetmissionare wären, immer ein „ernsthaftes“ Projekt aufrechtzuerhalten, das Informationen, Kommentare und auch evangelistische Texte bereithalten würde für diejenigen, die wir jetzt schon zu den Gleichgesinnten zählen können.
Wir würden aber auch Projekte betreiben, die nur einzig und allein den Zweck verfolgen, die fortschrittlichen Kräfte zu verwirren und ihrer machtvollen Bewusstseinsbildungsarbeit sowie die in der Bevölkerung verbreiteten, uns gegenüber feindseligen Einstellungsmuster in der Bevölkerung zu parodieren und auf diese Weise deren Macht den Schrecken zu nehmen – wie bei der Vertreibung des Irrwichts mit dem „Ridiculus“-Zauber bei „Harry Potter“ (ein Beispiel, das Internetmissionaren aus grundsätzlichen Erwägungen nicht gefallen dürfte, das aber ein großer Teil des potenziellen Zielpublikums verstehen dürfte).
Denn ist erst mal die Schreckensstarre vor der Übermacht des Gegners verschwunden, ist es auch leichter, daran zu arbeiten, seinen Rat an die Allgemeinheit zu durchkreuzen wie jenen Ahitofels an Abschalom im 2. Buch Samuel (ein Vergleich, den Internetmissionare verstehen
).
Wir würden – auch wenn wir die Aufgabe hätten, die Botschaft jedem zu verkünden – Prioritäten setzen und jene fortschrittlichen Kräfte in unseren Bemühungen eher außen vor lassen, die einen gefestigten Klassenstandpunkt aufweisen und sich als manifest beratungsresistent zeigen.
Umso stärker würden wir uns aber um jene kümmern, die ihren Weg erst finden müssen und die Fragen stellen oder unsicher sind. Wir würden diesen nicht zuallererst mit evangelistischen Erörterungen begegnen, mit denen sie noch nichts anfangen können, sondern mit ihnen über das sprechen, worüber sie sprechen wollen und was sie bewegt. Wir würden in unserer Freizeit Portale, Foren, Blogs zu Themen des täglichen Lebens aufbauen, zu Fernsehserien, Sport, Klatsch oder was auch immer. Und dort würden wir uns als jederzeit hilfsbereite Ansprechpartner präsentieren, Schwächere gegen Mobbing in Schutz nehmen oder Neulingen geduldig helfen, sich zurechtzufinden.
Wir würden – wenn wir Internetmissionare wären und die Botschaft Jesu Christi verbreiten müssten – das für die Bildung des sozialistischen Willens Gefährlichste daran betonen: Nämlich jenes Moment der konterrevolutionären Selbstabgrenzung, das dem einzelnen Menschen einzureden versucht, er wäre mehr als ein Produkt des Zufalls, er hätte einen einzigartigen und besonderen Wert auch ohne das Kollektiv, auch ohne den Schönheitsidealen der aufgeklärten Gesellschaft zu genügen oder auch ohne anerzogene Hemmungen überwunden zu haben im Interesse der Höherentwicklung zur sozialistischen, gendergerechten und gegenüber allem außer dem Regressiven toleranten Persönlichkeit oder zum „Topmodel“ oder „Superstar“ oder was auch immer. Das ist natürlich unwissenschaftlicher Unfug, aber viele Unwissende springen auf so etwas an. Wir würden Lust darauf machen, anders zu sein.
Wir würden alles tun, um mit uns keine Langeweile aufkommen zu lassen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und Leute zu motivieren, uns zu fragen, was es denn mit dem, was uns antreibt, auf sich habe. Eine Botschaft vermitteln vermag nur jemand, der es schafft, Menschen auf diese neugierig zu machen. Wer die Sprache der Leute spricht, ohne ihnen immer nach dem Mund zu reden. Und wer lernt, den Zumutungen des Lebens mit Ironie zu begegnen. Das fällt am Leichtesten, wenn man sich bewusst wird, dass das Wohlwollen von Menschen in jenem Moment massiv an Relevanz verliert, da man Jesus als persönlichen Erlöser annimmt. Wie gruselig: Denn wie sollte es einem Kollektiv gelingen, den Willen eines Menschen unter seinen eigenen unterzuordnen, der meint, auf die Übereinstimmung mit diesem kollektiven Willen nicht angewiesen zu sein, weil man einem „Gott“ mehr gehorchen solle als Menschen?
Wir tun das alles nicht, da wir keine Internetmissionare sind. Aber wir schreiben nur, was uns so durch den Kopf geht, wenn wir gefragt werden, was wir machen würden, wenn wir Internetmissionare wären. Und vielleicht bringen wir den einen oder anderen unserer GenossInnen auf Gedanken, wie wir den Reaktionären, die sich überlegen, wie sie als Internetmissionare am Besten arbeiten können, zuvorkommen könnten.
Bild: Dieter Schütz; © pixelio.de

